2010 - Großteil der Erhebungen; interdisziplinäre Ergebnisse

Im Jahr 2010 wurden die Erhebungsaktivitäten ausgeweitet und parallel die Auswertung der Materialien vorangetrieben. Der interdisziplinäre Austausch wurde über eine Reihe von Verbundtreffen sichergestellt, die neben der Koordination der Arbeitsschritte immer auch durch die Darstellung von Auswertungsschritten eines Teilprojekts bestimmt wurden. Die konzeptionelle Zusammenarbeit wurde auf der operativen Ebene der wissenschaftlichen Mitarbeiter fortgeführt.

In 2010 wurden weitere Organisationen erschlossen und der Hauptteil der Erhebungen durchgeführt, die im Jahr 2009 noch offen waren. Parallel dazu wurden die erhobenen Materialien ausgewertet und die Auswertungsergebnisse in die Erhebung eingespeist.

Die bisher zutage geförderten Ergebnisse können um drei Begriffe herum vorgestellt werden: Projektförmigkeit, Relevanz der Grenzkonstruktion und Management der Grenzen der Grenzüberschreitung.

Bezüglich der Projektförmigkeit haben die Einrichtungen erstens eine offene, in einigen Fällen durchaus ungewisse Zukunft, wobei diese Ungewissheit sie seit ihrem Beginn auszeichnet. Zum zweiten haben wir es zwar mit Organisationen zu tun, die erkennbar eine Einheit bieten, die aber mehrheitlich formal keine einheitliche Mitgliedschaft für ihre MitarbeiterInnen anbieten,  bzw. diese sind der einen oder der anderen Seite zuzurechnen. Umso mehr rückt damit die Thematik der Organisation der symbolischen und praktischen Zugehörigkeit zu diesen hybriden Organisationen in eine herausragende und durchaus kontroverse Rolle. 

Bei der Relevanz der Grenzkonstruktion geht es im Kern darum, die Beziehungen zueinander neu zu definieren, ohne dabei – teils vorgestellte – Unterschiede zu planieren. So ist z.B. die „Vorstellung“ und Betonung spezifischer kultureller Eigenheiten gerade die Grundlage für Kulturbegegnungsstätten. Identitätsbewahrung und Grenze der Einrichtungen sind in diesem Sinne von zwei Seiten aus zu bearbeitende Gegenstände.

Die Akteure sind in ihrem Handeln damit konfrontiert, einerseits zu kooperieren und sich andererseits – nicht zuletzt vor dem Hintergrund ihrer prinzipalspezifischen Programme – situativ zwischen Kooperation und Eigenständigkeit zu entscheiden. Wenn die grenzüberschreitende Organisation auf beiden Seiten anschlussfähig bleiben will, müssen zwar gemeinsame Perspektiven und Praktiken entwickelt werden. Diese schließen aber auch Formen der Nichtkooperation, der fehlenden Abstimmung, der Übersetzungsverzerrung mit ein. Wann Missverständnisse vorliegen, wann diese strategisch genutzt oder nur nach außen inszeniert werden, ist Gegenstand des organisationsinternen Management der Grenzen der Grenzüberwindung. Es scheint sich abzuzeichnen, dass dieses auf den beiden Seiten der Kooperationen nicht immer einheitlich gesehen und gehandhabt wird.