Verbundprojekt

Suche


Interkulturelle Übersetzung in grenzregionalen Organisationen

Herausforderungen und Praxen von Organisationen in der deutsch-tschechischen Grenzregion

Das Forschungsinteresse ergibt sich aus den – mit der Europäisierung und Globalisierung wachsenden – alltäglichen Herausforderungen der Überschreitung nationaler, kultureller und sprachlicher Grenzen. Paradigmatisch hierfür stehen Grenzregionen und dort insbesondere jene Organisationen, die neben der Bearbeitung ihrer jeweiligen ökonomischen, politischen oder anderen Ziele ausdrücklich mit der Überbrückung solcher Grenzen beauftragt und befasst sind.

Das Forschungsprojekt (gefördert durch das BMBF) untersucht Organisationen in der deutsch-tschechischen Grenzregion, die grenzüberschreitende Zielsetzungen inmitten lokaler Umstände erreichen sollen bzw. wollen. Dabei werden Organisationen unterschiedlichen Typs, mit unterschiedlichen Zielsetzungen und unterschiedlichem Aufbau erforscht, um eine große Bandbreite typischer Problemlagen erfassen zu können.

Die leitenden Fragen lauten dabei: Welchen Übersetzungsherausforderungen sind solche Organisationen ausgesetzt? Wie lernen sie im Einzelfall damit umzugehen? Welche Probleme werden dabei identifiziert? Welche Strategien und Muster eigener Praxis entwickeln die Organisationen, um die identifizierten Probleme zu lösen?

Die Probleme der Übersetzung und des Lernens können als Leitfaden der Analyse dienen, da bei der Arbeit von Organisationen in der Grenzregion im Zusammenhang mit und in Analogie zum Übergang zwischen verschiedenen Sprachen mindestens zwei grundlegende Herausforderungen entstehen: (a) das Verhältnis zwischen deutschen und tschechischen Akteuren bzw. zwischen ihren ggf. national, kulturell und sprachlich differenten Praxen und (b) die Theorie-Praxis-Beziehung zwischen überregionalen Programmen und lokaler Umsetzung. Vor dem Hintergrund gegebener Identität und Praxis der jeweiligen Organisation und ihrer Akteure führen diese Übersetzungsherausforderungen immer das Problem und die Chance des (individuellen und organisationalen) Lernens mit sich.

Der Beitrag der Geisteswissenschaften zur Lösung der genannten Übersetzungs- und Lernprobleme von Organisationen in Grenzregionen ist dabei für das Forschungsprojekt von besonderem Interesse. Einer leitenden These der Untersuchung zufolge stellen gerade geisteswissenschaftliche Studiengänge eine mehrdimensionale Übersetzungskompetenz zur Verfügung. Dazu zählen Fertigkeiten im Umgang mit komplexen – sprachlichen, kulturellen und organisationsspezifischen – Grenzüberschreitungen. Solche Kompetenzen werden unserer Annahme zufolge in diesen Organisationen nachgefragt, teils ausdrücklich gesucht und eingesetzt, teils implizit genutzt und eingeworben.

Der Projekt-Verbund bringt vier verschiedene Teilprojekte aus drei wissenschaftlichen Disziplinen zusammen: Pädagogik (Prof. Dr. Michael Göhlich, Erlangen; Nicolas Engel, M.A.; Thomas Höhne, M.A.), Soziologie (Prof. Dr. Joachim Renn, Erlangen/Erfurt; Dr. Matthias Klemm) und Linguistik (Prof. Dr. Marek Nekula, Regensburg; Christoph Marx, M.A.).

Antrag

Originaler Titel des Verbundprojekts:

„Komplexitätsmanagement durch geisteswissenschaftliche Expertise. Übersetzungszwänge und -praxen von Organisationen in der bayerisch-böhmischen Grenzregion“